Beim Blick aus dem Fenster war die Enttäuschung wieder groß. Der Nebel wollte einfach nicht abziehen und wir kamen uns fast vor wie in England. Aber immerhin soll ja Nebel bzw. hohe Luftfeuchtigkeit gut für die Haut sein. Trotz unserer kostenlosen „Gesichtsbehandlung“ ging es heute in einem etwa 3.5 km langen Marsch zu den schwarzen Mhongs (ausgesprochen Monks). Dieses Bergvolk trug eine indigofarbene Tracht mit hübschen Kappen. Auch die Mhongs quälten uns ausdauernd mit ihren Verkaufsgesprächen und mittlerweile war es uns fast zu viel. Wir konnten ja schließlich nicht von jeder Frau etwas kaufen. Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass die Touristen alles kaufen, wenn man ihnen nur lange genug auf den Keks geht.


Ein Mädel mit ihrem Kleinkind auf den Rücken geschnallt „begleitete“ mich den ganzen, langen Spaziergang, obwohl ich schon eine Kleinigkeit von ihr gekauft habe. Aber das schien ihr nicht zu reichen. Sie erhoffte sich wohl größere Beute. Langsam wurde ich sauer und rief ihr zu „I'm Steffi Mhong and I don't want to buy anything“. Mit diesem Satz erhoffte ich, sie loszuwerden. Doch weit gefehlt. Von diesem Volksstamm hatte sie noch nie etwas gehört, da ich ihn ja auch gerade erfunden hatte. Die Taktik ging aber leider nicht auf und sie quatschte uns immer weiter voll. Das Einzige was uns übrig blieb war, den Mund zu halten und nicht auf alles einzugehen, wonach sie uns fragte. Vielleicht kam es ein bisschen unhöflich rüber aber uns blieb einfach nichts anderes übrig. Schweigsam schlitterten und stolperten wir über den steinigen Dorfweg aber sie war nicht abzuschütteln.




Schließlich erreichten wir ein weiteres Dorf der insgesamt 54 ethnischen Minderheiten Vietnams, wo uns sofort kleine Kinder auffielen. Die hartnäckige Mhong verriet, dass es Vollwaisen wären, deren Großmutter sich um sie kümmert. Unser Mitleid war groß als wir sie im kleinen Gemüsegarten werkeln sahen...

Schließlich kamen wir an einer gewaltigen Schlucht vorbei und überquerten eine Hängebrücke, die sicher auch schon bessere Tage gesehen hatte. Immer weiter im Takt führte uns Son zu dem schönen Silberwasserfall, den wir leider vor Nebelschwarden kaum zu Gesichte bekamen. „Wunderschöne Landschaft, wenn Sonne scheint...“ Von einer Mhong kauften wir uns noch schöne Kappen und machten uns weiter auf zum Himmelstor. Was das wohl sein mag? Wir konnten es natürlich nicht sehen, das Tor zum Himmel, wobei es sich um Vietnams größten Berg Fan Si Pan (3.143 m) handelte. Nebel, Nebel, nichts als Nebel. Ein wenig schade, aber dennoch war es ein interessanter und dank Son mal wieder ein lustiger Ausflug.




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