Heute standen Reisevorbereitungen an der Tagesordnung, sodass wir in der Stadt noch alles Nötige für unseren Tonga Trip besorgten. Auch Spitzen schneiden wollten wir und landeten schließlich bei „Say Hair“, einer koreanischen Friseurin. In Auckland sind super viele Asiaten ansässig, sodass ein Salon nach dem anderen in chinesischer, koreanischer oder sonstiger Hand war. Say schien ihr Handwerk zu beherrschen, wie wir bei einer vorherigen Kundin beobachten konnten. Dann begab sich zuerst Nico in ihre Hände und wir versuchten ihr klar zu machen, was wir wollten. Leider hat sie sich so gar nicht an die Zentimetervorgaben gehalten und schnitt munter drauf los. Nun hat Nico einen Kurzhaarschnitt, den er gar nicht wollte. Nach dem Schneiden folgte das Haarewaschen und schließlich das Styling. Es gab nur kaltes Wasser aus dem Hahn und anschließend wurde der Kopf mit einem Handtuch trocken gerubbelt, um das Haar einer ersten Trocknung zu unterziehen. Wobei gerubbelt noch untertrieben ist, mit dem Handtuch trocken geschlagen trifft es eher. Der Föhn war mal warm und kalt und genauso wechselhaft übernahmen zuerst ihr Mann und dann wieder Say das Ruder.
Mir kamen Zweifel auf, ob auch ich mich der Prozedur unterziehen sollte. Ich wollte eigentlich nur die Spitzen geschnitten haben – da kann man doch nicht so viel falsch machen... Außerdem wäre es Nico gegenüber unfair gewesen, wenn ich einen Rückzieher gemacht hätte. Also, Augen zu und durch, dachte ich mir. Aber auch diesmal hat sie sich überhaupt nicht an meine Ansage gehalten und zudem wildeste Stufen hineingeschnitten, mit denen ich später so gar nicht zurande kommen sollte. Auf einmal begann sie auch einfach so, mir einen halben Pony zu schneiden und da musste ich Say bremsen. Natürlich musste auch ich mich dem wilden Haarwaschmanöver hingeben und das Föhnen übernahmen sie gleich zu zweit. Oh man, was für eine Tortur. Am Ende waren wir beide unglücklich mit unseren Haarschnitten und beschlossen, nie wieder auf unserer Reise zum Friseur zu gehen. Jetzt haben wir noch 7 Monate Zeit, sie wachsen zu lassen. Unseren Humor haben wir jedoch nicht verloren und noch den ganzen Tag lachten wir uns über unsere gelassenen Haare und der unmöglichen Haarschneidekunst tot. Und die Moral von der Geschicht: Don't go to Say Hair, otherwise you have to say good bye to your hair...
Unser Flughafenshuttle sollte uns am nächsten Morgen 04:00 Uhr abholen. Wir beschlossen durch zu machen und genossen die letzten Stunden im Hostel mit dem lustigen Hongkong-Chinesen Siu Lung, Kai aus Deutschland und seiner koreanischen Zimmergenossin. Schließlich gesellten sich noch die Briten Madelaine und James zu uns, die gerade in einem Monat eine Weltreise machen und komplett Neuseeland in 14 Tagen umreisen. Verrückt. Plötzlich fing Madelaine an, ihre beleuchteten Pois zu schwingen und James zeigte sein Können beim Jonglieren. Wir sassen vor dem Hostel auf dem Bürgersteig und es war total surreal, doch alle genossen das bunte Schauspiel. Die Koreanerin besorgte sich zwischenzeitlich eine Gitarre und begann, drauf los zu spielen. Im selben Momment kam ein voll besetztes Auto mit betrunkenen Neuseeländern vorbeigefahren und der nüchterne Fahrer fragte, ob sein Kumpel mal einen Song spielen könne. O.k., warum nicht. Er stieg aus dem Auto, kaute seinen Burger zuende und musste sich ersteinmal übergeben. Doch dann setzte er sich auf die Knie, hielt die Gitarre rückwärts hinter seinem Kopf und begann blind einen wirklich tollen Song zu spielen und dazu noch zu singen. Die Koreanerin unterstützte ihn und gab ihm den Bass auf dem Holz der Gitarre. Was ging denn hier ab? Es hörte sich wieder erwartend gut an und nachdem er auch noch rücklings Gitarre spielend den Rest von seinem Burger auf den Bürgersteig gekotzt hatte stieg er wieder in den Wagen und sie brausten mit einer 180 Grad Wende und quitschenden Reifen ab. Das Ganze dauerte vielleicht 2 Minuten und wir alle fühlten uns wie in einem falschen Film, als schien es nicht real zu sein. Manchmal lohnt es sich eben doch, auf Schlaf zu verzichten oder war das nur ein verrückter Traum?
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