Es klopfte an der Tür. Ein Blick auf den Wecker ließ uns aufschrecken. Wir hatten verschlafen und das gestern bestellte Tuk Tuk zum Busbahnhof wartete vor der Tür. Mit wirrem Haar und in Unterhosen öffnete ich die Tür. Jimi, ein Angestellter des Guesthouses, fragte, ob wir abreisen oder er den Fahrer wieder weg schicken soll. Fragend blickte ich zu Steffi aber ihrem Gesicht nach zu urteilen standen die Signale einer Abreise eher auf Rot. Sie hatte sich gestern den Magen verdorben und alles was oben reinkam, verließ es auf dem gleichen Weg auch wieder. Somit ließen wir das Tuk Tuk und die bereits gekauften Bustickets sausen, legten uns wieder hin und hofften auf Besserung. Jimi war noch so nett und brachte wenig später einen Naturkräutertee gegen den Magen- Darminfekt vorbei.
Im Laufe des Nachmittags ließen die Symptome nach und wir buchten dann doch noch den Nachtbus nach Bangkok. Gegen 20:00 Uhr fuhren wir auf der Ladefläche eines Pick-up´s des Bruders der Reisebürobesitzerin, welche uns die Tickets verkauft hatte, zum Busbahnhof und 21:00 Uhr ging es los. Die Fahrt dehnte sich wie ein Kaugummi und wir schaukelten durch die Nacht. Zum Glück hatten wir Vip-Bus Tickets und konnten uns, soweit es die Liegesitze zu ließen, zurücklehnen und versuchen, eine Mütze Schlaf zu finden. Die Fahrt wurde immer wieder durch diverse Polizeikontrollen unterbrochen und die Beamten zogen drei junge Thais aus unserem Bus. Wir waren irgendwo im nirgendwo, es war stockdunkel, sie mussten aussteigen und der Bus fuhr einfach weiter. Na ja, so läuft das hier halt aber uns Farangs haben sie immer in Ruhe gelassen. Nach gelegentlichen Nickerchen kamen wir gerädert auf einem riesigen Busbahnhof in Bangkok an. Nach 10 Stunden im Bus fragten wir uns, wo wollten wir eigentlich hin? So richtig klar war uns das auch noch nicht und wir entschieden uns spontan für Khao Lak. Wir hatten davon schon mal gehört und es erlangte vor fast fünf Jahren traurige Berühmtheit durch die Tsunamikatastrophe. Weihnachten wollten wir am Strand verbringen und so fragten wir uns nach einem Bus dorthin durch. Leider fuhren sie nicht von diesem Busbahnhof ab und so mussten wir mit einem Taxi zum nächsten fahren. Eine halbe Stunde später und 150 Baht ärmer landeten wir an einem zum verwechseln ähnlich aussehenden Busstop. Wir fragten uns wieder durch und gelangten schließlich zum richtigen Schalter. Jetzt hieß es nur noch zwei Stunden zu warten und die Zeit mit Kaffee trinken tot zu schlagen.


Es war mittlerweile 09:30 Uhr und wir saßen endlich im Bus nach Khao Lak. Nach über 12 Stunden auf Achse hatten wir nun weitere 12 vor uns. Wir wussten noch nicht mal genau wo Khao Lak lag. Zudem sind wir in einem Einheimischen Bus gelandet und waren die einzigen Farangs (Touristen). Er fuhr von Milchkanne zu Milchkanne, sammelte die am Straßenrand wartenden Leute ein und mein besorgter Blick ging immer wieder zum Busfahrer. Er gähnte verdächtig oft und die Augen waren nur noch Schlitze. Ich war jedesmal froh, wenn er sich einen thailändischen Energydrink aus seiner Kühlbox schnappte. An Schlaf war überhaupt nicht zu denken, denn wir wollten nicht im Straßengraben landen. Wir hatten ähnliches schon vor zwei Jahren durch gemacht und den Fahrer von Suratthani nach Krabi mit gelegentlichen Gesprächen am Leben gehalten. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich weckte den im hinteren Teil des Buses schlafenden zweiten Fahrer. Er sagte mir zwar, es wäre alles kein Problem und ich sollte mir keine Sorgen machen aber er hatte doch ein Einsehen und setzte sich nach vorne. Alles in allem zählte ich die Stunden und sie wollten nicht vergehen. Die Krönung war allerdings eine Thai-Mutti mit ihrem Kind. Sie stiegen am Abend ein, es war schon dunkel und sie setzten sich genau neben uns. Ich bekam aus dem Augenwinkel mit, dass sich das kleine Mädchen mehrmals vorbeugte aber ich dachte mir nichts dabei, nur der Geruch war etwas eigenartig. Nach einer Weile gab sie der Mutter eine mit Flüssigkeit gefüllte Plastiktüte. Beim nächsten Bushalt sah ich die Bescherung. Die Hälfte der Kinderkotze hatte sich genau neben mir im Gang verteilt und die Tüte hatte auch noch ein Loch. Die Mutter hielt sie aber es tropfte munter immer weiter auf den Boden und die Kleine, sie tat mir auch leid, kotzte in einem fort direkt neben mir auf den Gang. Oh man, bitte lass uns gleich da sein...Beim nächsten Busstop fragte ich den Fahrer, wann wir in Khao Lak ankommen würden. „Es sind nur noch 1½ Stunden...“ Ich setzte mich wieder, suchte eine Plastiktüte und ein Taschentuch, gab es dem kleinen Mädchen und erntete ein dankbares Lächeln. Aber es half nichts, sie kotzte weiter.
Zum Glück stiegen sie kurz vor unserer Ankunft aus und somit hatten wir nur noch die alte Kotze und keine neue mehr auf dem Gang. Nach insgesamt 26 Stunden erreichten wir endlich Khao Lak und stiegen erleichtert aus. „Steffi, wir nehmen das erstbeste Zimmer, egal was es kostet...“. Es war mittlerweile 22:00 Uhr und wir liefen planlos durch die Stadt Richtung Strand. Es dauerte nicht lange und wir wurden angesprochen. „Braucht Ihr eine Unterkunft?“. „Oh ja, wenn Sie wüssten...“. Wir ließen uns bereitwillig zum Guesthouse führen und waren mehr als überrascht. So ein Zimmer hatten wir schon lange nicht mehr. Alles auf dem neuesten Stand, mit Fernseher, Wi-fi, Kühlschrank und Balkon. Nach dieser Odyssee kamen wir uns wie im Paradies vor und mieteten uns gleich für die nächste Woche ein.
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