Nach einer zwar regnerischen Nacht am Lake Hayes aber dafür himmlisch gebettet auf unseren neuen Matratzen sind wir Richtung Wanaka aufgebrochen.



Nach einigen Fahrminuten kamen wir an der historischen Kawarau Brücke vorbei, von der auf den ersten Blick eigenartige, weiße Seile hingen. Bungy! Die Leute sprangen jauchzend in die Tiefe und die ganze Szenerie erinnerte mich irgendwie an die „Fraggles“. Vielleicht kann sich der eine oder andere von Euch noch an die kleinen, lustigen Kollegen, welche unter der Erde zwischen der Werstatt des Wissenschaftlers und den Gorgs lebten, erinnern. „Sing und schwing das Bein, lass die Sorgen Sorgen sein...“
Nach einiger Zeit als Zaungast entschied ich mich spontan zu einem Sprung. Steffi hingegen reichte ihre Bungy-Erfahrung von vor fünf Jahren aus 60 Metern Höhe aus und überließ mir das Feld. Aufgeregt und hippelig wartete ich nun auf der Brücke auf meinen Sprung. Die Minuten dehnten sich wie ein Kaugummi und endlich ging es los. Ich wurde mit einem Handtuch um meine Beine, Gurten, Karabinerhaken des Bungy- und Sicherheitsseils präpariert. Es wurde mir noch freigestellt, ob ich ins Wasser eintauchen möchte oder nicht. Meine nervöse Antwort lautete: „Nee, lass mal...der Sprung reicht mir.“ An der Plattformkante stehend gab es noch ein Lächeln für die Kamera, einen Gruß nach links an die Zuschauer und an meine mit der Kamera bestückten Steffi. Sie sagte mir später, dass sie bestimmt genauso aufgeregt war wie ich.


Nun gab es kein Zurück mehr und ich breitete die Arme wie in der „Cliff“ - Werbung zu beiden Seiten aus. Ich gab jetzt jegliche Verantwortung ab oder besser gesagt legte ich sie in die „Hände“ eines dicken Gummiseils.
Volle Konzentration...3-2-1...B.U.N.G.Y.!
Ich ließ mich vorneüber kippen, stieß mich von der Plattform ab und setzte zu einem ordentlichen Kopfsprung an, nur aus 43 Metern Höhe. Mit ausgebreiteten Armen segelte ich durch die Luft und vergaß zu Atmen. Freier Fall...“Ach du scheiße, was mach ich hier?“ schoß es mir durch den Kopf. Pures Adrenalin wurde mit einem Schlag freigesetzt und pumpte sich bis in die letzte Körperzelle. Ich glich nun einer fliegenden Adrenalinbombe die zu platzen drohte. Purer Rausch und die Sekunden dehnten sich anscheinend mit dem Seil.



Das Wasser kam immer dichter und meine anfangs relativ horizontale, segelnde Fluglage kippte langsam in die Vertikale. Ich schoß nun mit einem Affenzahn wie ein Pfeil Richtung Wasseroberfläche, bevor ich jedoch ungespitzt in den Flussgrund gerammt wurde straffte sich das Gummiseil und zog mich wie ein Jo-Jo wieder nach oben. Jetzt erinnerte ich mich, da war doch was...ach ja, sollte mal wieder atmen. Was für ein Gefühlskarussel – es drehte sich von Unsicherheit bis Nervosität, Konzentration, Angst bis zur Euphorie. Statt abwärts ging es nun zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Ich gab nun auch endlich mal einen Laut von mir und mit euphorischen Schreien und Händeklatschen ging es noch ein paar mal kopfüber rauf und runter bevor ich vom Schlauchboot eingesammelt wurde.


Das euphorische Gefühl hielt noch Stunden an und ich hätte Bäume ausreißen können. Deswegen habe ich wahrscheinlich noch total im Rausch anschließend das rundum sorglos Paket bestehend aus Fotos, Postkarten, DVD von meinem Sprung, T-shirt und Zertifikat gekauft. Was für eine Erfahrung, war zwar nicht mein erster Bungy Sprung aber das Gefühl ist überwältigend und einzigartig.
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