Weckerklingeln um 04:40 Uhr, aus dem Bett gequält und die Zähne geputzt. Wir hatten mit Tiger eine Tempeltour vereinbart und das morgendliche Highlight war Angkor Wat im Sonnenaufgang. Natürlich ist ein Besuch nicht umsonst und man wird kräftig zur Kasse gebeten. Wir entschieden uns für ein dreitägiges Ticket (40 US$ pro Person) und konnten innnerhalb einer Woche unsere Stempelkarte benutzen. Tiger entließ uns aus dem Tuk Tuk mit den Worten: „Go inside Angkor Wat and have a look to the sunrise, I wait here...". Wir waren natürlich völlig planlos, da wir eine geführte Tour erwartet hatten und so kauften wir kurzerhand von einem Straßenjungen einen „National Geographic" Führer. Wie sich später herausstellen sollte, zu einem völlig überhöhten Preis, da er fast perfekt kopiert war. Wir betraten den langen Zugangsweg über den mächtigen 200 m breiten Wassergraben und eroberten mit schätzungsweise tausend anderen Touristen das Tempelinnere. Durchs Dunkel tappend suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen an einer der ehemaligen Bibliotheken und warteten.


Angkor Wat wurde in eine fantastische Farbpalette von gelb, rosa und blau getaucht und die Spiegelung in einem der Teiche war atemberaubend. Trotz der Besuchermassen verströmte dieser Tempel eine Anmut und Schönheit, die uns glatt die Sprache verschlug. Andächtig saßen wir da und ließen das Himmelschauspiel bis zur vollständigen Blüte auf uns wirken. Wahnsinn, jetzt sitzen wir hier auf den Mauern von Angkor und vor uns baut sich einer der berühmtesten, gewaltigsten und beeindruckendsten Tempel Kambodschas auf. Wir hatten zuvor keine Vorstellung und nur mal kurz davon gehört. Er wurde von dem König mit dem leicht zu merkenden Namen Suryavarman II zwischen 1113 und 1150 erbaut und dem Hindu-Gott Vishnu geweiht. Er diente wohl als Königsgrab und ist anders als die hinduistisch Khmerbauten nach Westen ausgerichtet, denn dort lag das Totenreich. Zur damaligen Zeit lebten innerhalb der Mauern schätzungsweise 20.000 Menschen.

Es gab in Angkor Wat so viel zu entdecken und die Wucht der Tempelarchitektur zog uns in ihren Bann. Fasziniert und beeindruckt von den handwerklichen Fertigkeiten durchstreiften wir die weitläufige Anlage und verbrachten dort geschlagene 3 Stunden.


.jpg)
Das gesamte Areal der Tempel von Angkor umfasst unzählige, verstreut liegende Gebäude und Heiligtümer. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden nacheinander mehrere Hauptstädte und in deren Zentrum jeweils ein großer Haupttempel errichtet. Was macht man nun als erstes? Wie sollten wir die schiere Flut der Tempel angehen? Die gesamte Anlage von Angkor wurde von französischen Archäologen in zwei Besichtigungstouren eingeteilt, den Petit Circuit (kleiner Rundgang – 17 km) und den Grand Circuit (großer Rundgang – 26 km). Da jeder halbwegs ambitionierter Tuk Tuk Fahrer die Touren kennt, verließen wir uns einfach auf Tiger.
Von Angkor Wat ging unsere Fahrt weiter und wir erreichten das Südtor von Angkor Thom. Erbaut von Jayavarman VII wird es von 54 Gottheiten und 54 Dämonen zu beiden Seiten flankiert. Die in alle vier Himmelsrichtungen blickenden Gesichter vom Hindu-Gott Lokeshvara („Herr der Welt, der auf alles blickt.") waren beeindruckend, sollten aber nur einen kleinen Vorgeschmack auf den Bayon Tempel geben. Angkor Thom („Große Hauptstadt") war zur damaligen Zeit (Ende des 12. Jahrhunderts) die am stärksten besiedelte Hauptstadt der bekannten Welt. Es lebten hier ca. 1 Million Menschen in einem Areal von 3 km x 3 km und der Bayon Tempel bildete seine Mitte.




Es war absolut faszinierend, dieses Heiligtum zu betreten. Im gesamten Tempel befinden sich 54 Türme mit dem Gesicht von Lokeshvara, welche in alle Himmelsrichtungen des alten Khmer Reiches blicken und dieses beschützen sollten. Leider wurde der Entdeckerdrang durch unseren leeren Kamera Akku getrübt. Wir hatten ungefähr eine Million Fotos von Angkor Wat gemacht und nun das. Innnerhalb der Mauern von Angkor Thom einen entsprechenden Akku zu finden, schien schier unmöglich zu sein. Spätestens jetzt wurde uns bewußt, wie wichtig Fotos für uns waren. Sie sind unser Gedächtnis und Tagebuch zugleich. Was solls, die besten Momente trägt man sowieso nur im Herzen und so freundeten wir uns langsam mit dem Gedanken an. Nachdem wir den Tempel durchschritten hatten, trafen wir durch Zufall auf eine kleine Imbissbudenkarawane. Nach dem üblichen Marktfrauengeschrei... „cold drink, pineapple, bananas, t-shirts,..." oder sonstwas geschah das Unglaubliche. Vishnu, Shiva oder Lokeshvara waren uns wohl gesonnen und bescherten uns einen CVR-3 Akku. Einen Jubelschrei später lichteten wir mit voller Inbrunst jedes nur mögliche Motiv ab (wie ihr sicher an unserer Foto-Gallerie sehen könnt) und dankten Lokeshvara, der wohl nun auch uns beschützte.



Wir fühlten uns wie auf einer Zeitreise und können nur erahnen, wie sich die ersten Entdecker gefühlt haben müssen. Allerdings zerrte die unglaublich Hitze an unserer Kondition und wir schwitzten aus allen Poren. Bei 35 Grad im Schatten (gefühlte 50 Grad in der Sonne) brodelten wir nur so vor uns hin und das Wasser, was oben rein kam, verdunstete ohne Umwege sofort im T-Shirt.






.jpg)

Innerhalb von Angkor Thom befinden sich eine Vielzahl von Heiligtümern und wir besuchten u.a. den Tempelberg Baphuon, das Areal des Königspalastes, die Tempelpyramide Phimeanakas, die Elefantenterrasse und die Terrasse des Lepra-Königs. Wir verbrachten staunend bestimmt vier Stunden hier und einige Blasen später fuhren wir mit unserem Tuk Tuk weiter zur Brücke von Spean Thma, zum Tempel Chao Say Tevoda, dem Tempel Thommanon und schließlich zum krönenden Abschluss zum Tempel Ta Prohm. Hier wurden einige Szenen für den Film „Tomb Raider" gedreht, ebenso wie in Angkor Wat. Ein verwunschener, vom Urwald überwucherter und von einer einmaligen Atmosphäre umgebener Ort. Feigenbäume haben sich auf den Mauern niedergelassen und ihre dicken Wurzeln über die Gebäude in die Erde geschlagen. Viele Durchgänge sind verschüttet oder von den meterdicken Wurzeln riesiger Bäume verschlossen worden.
.jpg)


.jpg)


Unsere Kondition war für heute am Ende und nach über 9 Stunden machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Guesthouse. Es waren so viele Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden mussten und so beschlossen wir, morgen einen Ruhetag einzulegen.

reiseberichtvorschaubild: