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unsere Route ...

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“
Lucius Annaeus Seneca

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Ein Tag im Zeichen des Kavas

Datum: 
14. Juni 2009

Dicke Regentropfen im Paradies den lieben langen Tag, sodass wir diesen Sonntag vor allem in unserer Hütte verbracht haben. Berichte schreibend, lesend, träumend, faulenzend usw. Dann trieb uns der Hunger in einen Dairy Shop, einem Tante Emma Laden, doch der hatte gar nicht erst geöffnet, was wohl am Tag lag – Sonntag. Dieser Teil der Woche ist im Königreich ein Ruhetag, an dem Frauen und Männer die Kirche besuchen. Auf der Hauptstraße riefen uns der Tonganer Ruben und sein irischer Kumpel Duggy entgegen, ob wir nicht gemeinsam mit ihnen die tonganische Kirche besuchen wollen.

 

Der Reverend habe gestattet, dass auch Palangi (weiße Ausländer) der traditionell polynesischen Kavazeremonie beiwohnen dürften. Da wir nichts Besseres vorhatten, haben wir spontan zugesagt, ohne eigentlich zu wissen, was uns erwartete. Bedächtig betraten wir den recht einfachen Nebenraum der Kirche und uns blickten lauter männliche Augenpaare entgegen.

 

 

Es herrschte eine ruhige, bedächtige Atmosphäre in dem Raum und alle saßen auf geflochtenen Matten in einer U-förmigen Sitzordnung. Ich war mit Abstand die einzige Frau weit und breit in diesem Raum und fühlte mich ehrlich gesagt ein wenig unwohl. Als Ruben mich dann auch noch aufforderte, ganz vorne auf dem „Thron“ Platz zu nehmen, ein abgesägter Stuhl, war ich noch mehr irritiert und unsicher, was mich nun erwartete. Halbe Kokosnussschalen standen links und rechts neben mir aufgereiht und unmittelbar vor mir befand sich eine riesige, geschnitzte Holzschale gefüllt mit einer milchigen Flüssigkeit. Das zweimalige in die Hände klatschen eines anwesenden Tonganers war ein Zeichen dafür, dass ich nach und nach die Schüsselchen füllen sollte.

 

 

Dabei musste ich Acht geben, das Gebräu regelmäßig zu durchmischen, weil sich das Kavapulver immer wieder am Boden absetzte. Da ich mich noch nicht belesen hatte, was ich da eigentlich einfüllte, habe ich die Schüsseln – eben Suppenschüsseln gleich – bis unter'm Rand gefüllt. Ab und an kippte Ruben, der direkt neben mir saß, etwas vom Gebräu zurück. Nebenbei hörte ich schon Getuschel der Tonganer, was sicher mir galt. Aber egal, ich kannte ja niemanden und von einem Palangi, dazu noch einer Frau, wurde ihnen sicherlich noch nie Kava serviert. Ich habe eben „meinen Job verrichtet“ und fühlte mich irgendwie dann doch geehrt. Schließlich war auch ich an der Reihe, Tongan Kava zu probieren. Es schmeckte sehr bitter und irgendwie konnten wir keinen konkreten Geschmack zuordnen. Sofort wurde jedoch die Zunge taub und ein beruhigendes Gefühl schlich sich ein. Anschließend gab ich das Ruder an meinen jungen Nachbarn ab und er füllte weiter ein. Neu hinzukommende Tonganer haben weitere Päckchen vom Pulver mitgebracht und ein ein Gebet aufgesagt, in dem sie Gott für das Kava, die Familie und dem Leben dankten. Tonganer sind sehr gläubig und auf unserem Weg vom Flughafen haben wir bei 20 aufgehört die Kirchen zu zählen.

 

 

Später haben wir nachgelesen, dass Kava aus der getrockneten Wurzel der Pfefferpflanze gewonnen wird und seine Wirkung durch die zugegebene Wassermenge bestimmt wird. Kava ist Ausdruck einer traditionellen Südseekultur, in der die Männer über Alltägliches, Politik und sonstiges reden und eben alles miteinander teilen. Es war schon besonders für uns Europäer, der beinahe intimen Runde beizuwohnen und im Grunde nichts zu verstehen, da sie sich allesamt auf tonganisch unterhielten. Die Männer hatten ihren Sonntagszwirn herausgeholt und manche von ihnen trugen traditionelle, aus Palmenblättern geflochtene Gewänder über den typisch schwarzen Röcken. Nach knapp zwei Stunden verabschiedeten wir uns aus der Runde und mussten zuerst dem Reverend, der am Ende der U-förmigen Sitzordnung wie alle im Schneidersitz saß, verabschieden und dann der Reihe nach allen anderen. Einer der Herren bat mich, bei der nächsten Session wieder dabei zu sein, doch wir schmunzelten nur.

 

Dieses Erlebnis war schon sehr speziell für uns und musste ersteinmal verarbeitet werden. Am besten bei einem guten Abendbrot und einem Gläschen Wein in netter Gesellschaft. Zur späteren Stunde schwangen Ruben, zwei neuseeländische Schwestern, Nico und ich gar das Tanzbein und ein anfangs regnerischer Tag neigte sich im Mondlicht seinem Ende entgegen.

 

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