Gestern liehen wir uns ein paar Fahrräder aus und begaben uns auf Erkundungstour. Wie immer hatten wir keinen Plan und seit Kambodscha verzichteten wir bewusst auf den Lonely Planet oder ähnliche Reiseführer. Wir sind zum Schluss gekommen, dass ein Guide wie dieser unsere Reise nur in ein bestimmtes Muster zwängt. Wir folgten zwar unbewusst immer noch den ausgetretenen Pfaden der Backpacker aber wir fühlten uns wesentlich freier und ließen uns eher von unserem Instinkt führen. Die nötigen Informationen über Unterkünfte und Ausflugsziele bekamen wir sowieso meistens von Einheimischen, anderen Reisenden oder übers Internet. In der Vergangenheit klebten wir all zu häufig an unseren Reiseführern.



Einen Tag zuvor hatten wir uns schon die Nord- und Südseite von Vang Vieng per Damenrad erschlossen. Es war schön und anstrengend zugleich, da sich der Sattel nicht höher stellen ließ und wir nicht wirklich knieschonend radelten. Wir überquerten die einzige Brücke in der Nähe, mussten natürlich 6.000 Kip p. P. abdrücken, holperten bzw. stolperten mit unseren Bikes über die Knüppelpiste und kamen an einem viel versprechenden Schild vorbei. Eine Höhle nicht weit von hier und sogar mit Bademöglichkeit. Wir dachten nicht lange nach und radelten über den Feldweg dorthin. Das hätten wir uns allerdings zweimal überlegen sollen, denn wir schoben nach der Hälfte der Strecke unsere Drahtesel. Am Ende des mit Fähnchen gesäumten Weges erreichten wir die nächste „Mautstation“. Nun waren 10.000 Kip p. P. fällig, um die Höhlen zu besuchen. Touris muss man nur melken, wir zahlten den Preis und erwarteten großes. Nach einem schweißtreibenden Anstieg mit jeglichen Verfluchungen standen wir endlich vor ihr.



Irgendwas fehlte uns doch. Wir hatten unsere Stirnlampen vergessen. Eine Höhle im dunkeln zu erkunden macht nicht wirklich Sinn aber zu unserem Glück stiegen drei Mädels aus England mit uns auf und eine von ihnen hatte tatsächlich eine Taschenlampe dabei. Wir stolperten durchs Halbdunkel der Höhle und die erste Brücke bestand lediglich aus improvisierten, zusammen gebundenen Bambusstämmen mit wackligen Geländer.


Wir hatten genug und machten uns an den Abstieg. Es hört sich vielleicht dramatisch an aber das dicke Ende sollte noch kommen. Die Badestelle entpuppte sich als ein kleines Modderloch und wir waren froh, wieder auf unseren Drahteseln zu sitzen. Die Höhle war etwas entäuschend aber das machte die imposante Landschaft wieder wett. Unsere Fahrradtour wurde kurzzeitig von zwei kleinen Jungs unterbrochen. Sie kamen wohl gerade aus der Schule und schwangen sich mir nichts, dir nichts auf unsere Gepäckträger und benutzten uns völlig selbstverständlich als Taxi. Lachend und schmunzeln nahmen wir sie natürlich mit und radelten munter drauf los. Beim nächsten Gehöft sprangen sie ab und bedankten sich mit einem Foto bei uns.


Eigentlich hatten wir nicht vor, noch eine Grotte zu besuchen aber irgendwie landeten wir doch bei der Diamanten-Höhle. Es waren wieder 10.000 Kip fällig und diese Tour, allerdings mit einem Führer, war absolut leichtsinnig. Es ging über glitschige Lehmstufen hinein und die Luftfeuchtigkeit verdoppelte sich mit einem Schlag. Wie ein junger Hirsch in Flip Flops sprintete unser Führer vor uns her und zeigte begeistert hier und dort hin.


Wir hatten Mühe, ihm zu folgen und schlitterten in unserer unzureichenden Fußbekleidung durch die Höhle. Absoluter Wahnsinn, über glitschige Bambusleitern erklommen wir langsam das Innere aber die Krönung war eine brüchige Brücke, an der es an beiden Seiten tief runter ging. Eigentlich war die Höhle wunderschön und die Quarzeinschlüsse blinkten wie Diamanten aber wir hatten mehr mit uns zu tun.


Es gab keinerlei Absturzsicherungen und man musste verdammt aufpassen, wo man seinen Fuß hinsetzte. Zu guter Letzt verlor ich auf dem Rückweg den Halt an einer der glitschigen Bambusleitern und stürzte. Ich sah mich schon in der gähnenden Leere verschwinden, konnte mich aber an einem Felsen festhalten und hatte nur eine Schürfwunde am Schienbein. Wer sollte mir denn hier auch helfen? Wir schlitterten aus der Höhle und waren froh, das Tageslicht zu erblicken. Die Dunkelheit, Enge und leichtsinnigen „Absicherungen“ jagten uns eine Heidenangst ein. Ein Sprichwort trifft es vielleicht: „ Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung“. Noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen radelten wir im Sonnenuntergang in unser Guesthouse und wollten fortan in keiner Höhle mehr herumklettern.

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