Am Samstagnachmittag entschieden wir uns, einen kombinierten 3-er Ausflug zu buchen. Da man die Geysire ohne Ortskenntnisse ohnehin nicht alleine aufsuchen kann, erschien uns diese Variante am sinnvollsten. Der Tag begann für uns ungewöhnlich früh um 03.30 Uhr. Dick eingemurmelt wurden wir in einem Kleinbus zu zwölft bis auf 4.320 m Höhe gefahren. Statt Sauerstofflaschen an Bord gab es getrocknete Kokablätter, die durch ihre durchblutungsanregende Wirkung gegen Höhenprobleme helfen sollten. Brav kauten wir auf den Blättern herum, die wie Tee schmeckten und beim Kauen Bitterstoffe entwickelten. Der Mund wurde taub und wir immer aufgedrehter in freudiger Erwartung der Geysire. Nun ja, wir sind eben in Chile, wo Kokablätter nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Auf dem Berg angekommen merkten wir sofort, dass die Luft zum atmen sehr dünn war. Jede Bewegung wurde umso beschwerlicher und man kam ziemlich schnell aus der Puste....10 m gehen, 1 min verschnaufen und 100 Fotos schießen.


Bei minus 5 Grad Celsius begann unsere Wanderung entlang der höchst gelegenen Geysire der Erde. In der Morgendämmerung lässt sich das Schauspiel am besten beobachten, wenn durch die Sonnenstrahlen das Eis der Quellen zum schmelzen gebracht wird und sie allmählich anfangen zu dampfen und zu brodeln. Vergleichbar schossen sie wie Flaschengeister aus der Erde und es entstand eine Nebelwand, die eine ganz eigene Atmosphäre erzeugte.




Wirklich spektakulär und schön anzusehen. Wäre da nicht die Kälte gewesen, die uns unter die Klamotten kroch. Wir waren dankbar, dass es zum alpinen Frühstück heißen Kaffee gab, an dem wir uns aufwärmen konnten.


Als die Sonne dann ziemlich hoch stand war es bei immerhin schon minus 1 Grad Celsius recht angenehm und Nico gönnte sich zusätzlich ein Bad in der Thermalquelle und planschte fröhlich herum.


Unweit davon war auch der größte und gefährlichste Geysir zu sehen, der sog. Killergeysir, in dem acht unvorsichtige Menschen ihrem Leben ungewollt ein Ende setzten...Die Wassertemperatur der Gesyire beträgt 85° Celsius und man könnte sich ein paar Frühstückseier darin kochen. Wir tauchten lieber in die atemberaubende Landschaft ein und genossen jeden Augenblick.


Auf der Weiterfahrt zum Bergdorf Machuca sahen wir am Wegesrand viele der niedlichen Vicuňas, die zur Familie der Kameliden gehören und deren Wolle die zweitteuerste überhaupt sein soll und daher sehr begehrt ist. Das Panorama war atemberaubend schön und die uns umgebende Stille wurde nur durch das Schnattern der kleinen, schwarzen Enten unterbrochen.




Im Bergdorf angekommen passierten wir einen Grillstand, an dem die artverwandten „Kumpels“ der Vicuňas als Schaschlikspieße angeboten wurden. Es wirkte schon eine bisschen makaber, vorher bewunderten wir die kuscheligen Vierbeiner noch und jetzt aßen wir sie in Würfel geschnitten und mit Zwiebeln auf einen Spieß gesteckt. Aber wir müssen wirklich sagen, dass Lamafleisch ausgezeichnet schmeckt.




Natürlich mussten wir auch noch Empanadas probieren, von denen man allerdings nicht allzu viele verzehren sollten – auch wenn sie noch so lecker sind...Satt und noch völlig im Höhenrausch fuhren wir wieder nach San Pedro.
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