Wir haben es doch tatsächlich geschafft, nach 2 Tagen angestrengter Suche in Pinar del Rio einen Motorroller zu organisieren. Der Plan an die Karibikseite zu fahren bestand ja schon seit unserer Ankunft. Die Wetterprognose für den heutigen Tag von Handy und seinem Cousin Julien war vielversprechend. Nach einem Anruf vom Verleih sollte es nun gegen 11:00 Uhr endlich los gehen. Ich bin seit ungefähr 15 Jahren kein Moped mehr gefahren und genauso wacklig sahen auch meine ersten Fahrversuche aus. Nach einer kleinen Eingewöhnungphase, zum Glück war es eine Automatikschaltung, sind wir beiden Fischköppe aus der Provinzhauptstadt los gedüst.
Ich war permant damit beschäftigt, den Scooter und den kubanischen Verkehr im Griff und im Auge zu behalten. Das Wichtigste Signal hier ist die Hupe. Wenn man überholt, muss man kurz hupen, um dem Vorausfahrenden dies anzuzeigen. Die Straßenverhältnisse erwiesen sich jedoch besser als gedacht. Wir hatten uns im Vorfeld einige Gedanken bezüglich des kubanischen Fahrstils gemacht und mit riesigen Schlaglöchern gerechnet. Der Verkehr läuft hier nach einem für uns ungewohnten Prinzip ab. Nichts ist wirklich durch Schilder geregelt und es sieht nach einem augenscheinlichen Durcheinander aus.
Unsere Strecke führte uns entlang an Königspalmen und Tabakfeldern; nur das Wetter ließ zu wünschen übrig. Es zog sich zu und wurde immer windiger. Nach 1 Stunde erreichten wir ohne Probleme Playa Bailén. Es war mittlerweile arschkalt und das karibische Meer sah aus wie die Ostsee, nur mit Palmen. Ich war viel zu dünn angezogen und Steffi hatte sich immer weiter vermummt und sah am Ende aus wie einer von den Hells Angels.
Wir gaben sicherlich ein herrliches Bild für die Einheimischen ab. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h, einem roten Motorroller, roten Helmen, kurzer Hose, Flip Flops, Sonnenbrille und einer vermummten Rockerbraut auf dem Rücksitz düsten wir durch die sehr ländliche Gegend. Es ging vorbei an zahllosen Tabakfeldern, Pferdekarren, Ochsengespannen, Chevrolets und der grandiösen Kulisse der Berge.


Die Erkenntnis des Tages war, dass keiner von den beiden besuchten Orten (Villa Boca de Galafre und Villa Playa Bailén) für uns als nächster Aufenthalt in Frage kam. Auf der Rückfahrt passierten wir nach San Juan y Martinez eine sich auf eine Spur verengende Baustelle. Wie sollte es auch anders sein an diesem Tag, lag sie auch noch auf einer Bergkuppe. Kurz vor uns fuhr ein Traktor mit Anhänger und wühlte in einer Kooperation mit dem Wind den feinen Baustellenstaub auf. Er hüllte uns förmlich in eine Staubwolke ein und wir hatten keine andere Chance, außer diesem Sandmonster hinterher zu fahren. Wir waren über und über bedeckt und wollten nur noch nach Hause. Ich habe während der gesamten Rückfahrt gefroren wie nichts Gutes, Steffi war vor lauter Klamotten mittlerweile gar nicht mehr zu erkennen und die Tankanzeige lag schon seit längerem im roten Bereich.
Geschafft, in Pinar del Rio wurden wir mit einem Verkehrsaufkommen konfrontiert, das wir so nicht erwartet hatten. Aus der Stadt raus war es kein Problem aber auf der Rücktour gab es mit einmal nur noch Einbahnstraßen. Da wir uns die Innenstadt Tage zuvor erlaufen hatten, kamen wir über Umwege doch bei unserer Casa an. Was für ein Tag, 110 km mit einem Motorroller durch die Provinz und dazu Gegenwind.
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