Heute stand der Gletscher auf dem Programm und dort angekommen fing es zur Abwechslung mal wieder an zu regnen. Super. Wegen der Wetterlage war der Flusspegel mächtig angestiegen und zudem bestand Steinschlaggefahr in den Bergen. So konnten wir das blau schimmernde Eis nur aus der Ferne betrachten, denn der Zugang war gesperrt.




Naja, der Blick war auch nicht ohne und mit ein, zwei netten Bildern im Kasten fuhren wir ab. „Nun haben wir auch genug von Gletschern“, liegen mir Nicos Worte noch in den Ohren. Nach einigen Kilometern kurvenreicher Bergstraße erreichten wir dann den Franz-Joseph-Gletscher, den wir eigentlich links liegen lassen wollten. Nico meinte dann jedoch recht spontan, dass wenn wir schon mal dort wären, wir auch einen Blick auf ihn werfen könnten. Also, doch noch nicht genug vom Eis, begaben wir uns zunächst nur auf die Aussichtsplattform. Zu verlockend war jedoch der Blick und das blaue Eis schien zum Greifen nahe. Kurz beobachteten wir einige Wandersleute und entschlossen uns dazu selbst hinzuwanden.


„So weit kann das ja nicht sein“, dachten wir... Ein deutsches Pärchen tat es uns gleich und so begann unsere eigene Tour zum Kaiser. Nur waren wir alle Vier nicht kaiserlich gekleidet für eine derartige Wanderung. Wir hatten eher Straßenklamotten an und vor allem ordentliches Schuhwerk wäre praktisch gewesen, da wir bestimmt 2 Kilometer über das Geröllfeld zum Gletscher stolperten. Den Fluss überquerte ich zunächst auf Nicos Schultern. Er hatte seine Schuhe und Socken bereits ausgezogen und da dachte ich mir, er könne mich ruhig mal auf Händen tragen. Der Regen schien zuzunehmen und wir konnten das erste Mal die Tauglichkeit unserer Hightechjacken testen, die Nico und ich glücklicherweise anhatten. Die Jeanshosen waren mittlerweile klatschnass und wir fühlten uns um 5 Kilo schwerer. Noch immer hoch motiviert durchquerten wir Vier ein weiteres Mal den Fluss. Diesmal musste auch ich dran glauben, denn Nico ist bereits im Hockstrecksprung von einem Stein aus über den Fluss hinüber gesprungen... Mit nackten Füßen den Fluss durchquerend kam ich mir vor wie in einer Kneipp Kur, die ich eigentlich noch nicht für nötig befunden hatte... Endlich erreichten wir das Ende des Gletschers und standen von Angesicht zu Angesicht mit dem ewigen Eis. All die Schniefnasen, nassen Beine und Füße haben sich gelohnt. Er trägt zurecht einen majestätischen Namen, dieser Gletscher. Zum Glück gab es keinen Sissi-Gletscher in nächster Nähe....

Schnell noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen, mussten wir uns auch schon auf den Rückweg begeben, denn der Himmel wurde und wurde nicht heller. Der Fluss trug mittlerweile immer mehr Wassermassen mit sich. Nachdem wir alle nass aber zufrieden an unseren Vans angekommen sind und uns umgezogen hatten, wurden wir von den Thüringern Julia und Steffen zum Käffchen in deren beheizten und luxuriösen Van eingeladen. Nett plaudernd verging die Zeit wie auf einer „Gletscherwanderung“ und wir fuhren schließlich im Konvoi nach Hokitika weiter. Dort konnten wir auf einem kleinen und gemütlichen Campingplatz unsere Gespräche in Ruhe und mit „ein paar“ aufwärmenden Kurzen fortsetzen. Diesen letzten Tag im April, der für alle eigentlich hätte anders verlaufen sollen, wird sicher keiner so schnell vergessen.
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