Unsere Entspanntheit wurde an diesem Morgen jäh unterbrochen. An Mückenstiche und Sandflies hatten wir uns ja schon gewöhnt aber diese Bisse sahen schon etwas eigenartig aus. Drei Stück auf einer Stelle und wie auf einem Trampelpfad verteilten sie sich über mehrere Stellen von der Hüfte bis zur Schulter. Bei mir war es nicht so schlimm; aber Steffi hatte eine richtige Straße auf dem Rücken. Ohne Zweifel hatten wir Untermieter in der Matratze und nachdem wir schon um die halbe Welt gereist waren, hatte es uns nun doch noch erwischt. Fiese, millimetergroße Bettwanzen feierten anscheinend jede Nacht eine Party auf unsere Kosten. Eigentlich wollten wir heute noch zum Buddhapark und zum Triumphbogen, doch jetzt hieß es nur noch, die Flucht zu ergreifen. Wir mussten das verseuchte Zimmer schnellstens verlassen und hofften, dass die Viecher noch keine Eier in unsere Klamotten gelegt hatten. Wir stopften alles, was kontaminiert sein könnte in eine Plastiktüte, buchten schnell ein Busticket nach Vang Vieng und flüchteten aus dem Bettwanzenhostel. Die Abenteuerlust war eh schon angeschlagen aber jetzt hatten wir die Schnauze voll. Es gab uns ein ungemein befreiendes Gefühl, einige Kilometer zwischen uns und die Blutsauger zu bringen, obwohl wir damit noch gar nichts gewonnen hatten.


Die Bettwanze (Cimex lectularius): „...Sie sind darauf spezialisiert, in den Schlafplätzen von homoithermen (gleichwarmen) Lebewesen - vor allem Menschen - zu leben und sich von deren Blut zu ernähren. Bettwanzen sind Zivilisationsfolger... Die Bettwanze ist ein Kosmopolit. Sie ist im Norden bis etwas über den 65. Breitengrad beheimatet. In den Alpen kann sie bis fast 2000 m ü. NN vorkommen. In den Tropen und Subtropen kommen Populationen einer Unterart vor... Sie sind nachtaktiv. Sie halten sich tagsüber in trockenen, spaltenförmigen Verstecken auf. Aufgrund von Geruchstoffen, die den Wehrdrüsen entstammen, locken sie sich gegenseitig an und bilden größere Ansammlungen... Ihr Speicheldrüsensekret ist toxisch und ruft bei den meisten Menschen länger als eine Woche Juckreiz hervor...Bekämpfung: ...Temperatur während ein-einhalb Tagen auf ca. 55°C zu erhöhen (Wärmeentwesung). Bei dieser Temperatur sterben die Tiere und ihre Eier ab...“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bettwanze)
Mit dem Bus, der mal nicht überbucht war und für alle einen richtigen Sitzplatz bereithielt, fuhren wir die 170km im Schneckentempo durch die Berge nach Vang Vieng. Nach 4½ Stunden kamen wir im Dunkeln an und ließen uns bereitwillig von einem Guesthousebesitzer zu seiner Bleibe führen. Wir hatten Glück und kamen in einem sauberen, hellen Zimmer für ein Drittel des Preises von dem in Vientiane unter. Schnell noch die verseuchte Plastiktüte in den Wäscheservice gegeben und Daumen gedrückt, damit das Problem los geworden zu sein.


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