Heute hat sich Nico dazu entschlossen, das erste Mal auf's Wasser zu gehen. Gegen 16.30 Uhr war es soweit. Seine Fangemeinschaft wuchs und wuchs – derartige Flugobjekte scheinen die Einheimischen nicht allzu oft zu sehen. Als ein Kubaner mich mit dem 12-er Schirm sah, konnte er nicht an sich halten und eilte mir zur Hilfe. Nun halfen schon Zwei beim Starten – getreu dem Motto: Doppelt hält besser...vor dem Start bat mich Nico in Richtung Westen zu gehen, denn der Wind nahm schon ab. Auf dem Weg dahin sah ich eine große Menschenmasse und ich dachte mir, na toll ein Festival und Nicos erster Kitetag...muss das wirklich sein? Bei näherer Betrachtung säuselten mir jedoch bekannte Klänge um die Ohren und mir wurde klar, dass es sich hier um eine Hochzeitsgesellschaft handeln musste. „Nico wird wahrscheinlich auf einigen Hochzeitsfotos den Hintergrund schmücken“ - kam mir als nächster Gedanke. Hier und da musste ich natürlich auch noch ein Foto schießen, denn eine kubanische Strandhochzeit wird uns nicht jeden Tag geboten.


In dem Augenblick beobachtete ich wie Nicos Schirm „abschmierte“. Mist. Die Hochzeit hat mich in meinem Tempo gebremst und auch Nicos Begeisterung, mich endlich zu sehen, war mehr als gebremst. Fluchend kam er aus den Wellen und fand ein einziges Leinenchaos vor sich. Die Ereignisse überschlugen sich an diesem Spätnachmittag: Als nächstes brannte ein Rettungsturm licherloh, den auch ein Polizist der Hochzeitsgesellschaft entdeckte. Er rannte die zwei Kilometer am Strand zum Brand in Windeseile, um die Situation in den Griff zu bekommen.
Der hilfsbereite Kubaner vom Start eilte uns mit Nicos Kitetasche zur Hilfe und versuchte uns zu erklären, dass in östlicher Richtung bessere Windbedingungen herrschten. Wir haben anfangs aus unserem gemeinsamen Kauderwelsch zwischen Spanisch („habla un poco espaniol“) und Englisch alles mögliche verstanden u.a., 1. dass Nico sein Kitezeug zusammen packen soll und er ihn mit seinem Boot zu einem anderen Platz bringt, 2. wir ihn zum Fischen begleiten könnten und 3. wir sein Gummiboot in 1 Kilometer Entfernung aufblasen sollen. Schlussendlich verstanden wir, was er uns eigentlich sagen wollte. Verärgert, nicht auf seine Intuition gehört zu haben, wollte Nico es nun in der anderen Richtung nocheinmal wissen. Also die Klamotten zusammen gerollt, an der Hochzeitsgesellschaft vorbei und ab zum Strand in östlicher Richtung. An unserem Hausstrand neben dem ehemaligen Hafen stürzte er sich jedoch diesmal mit Bedacht in die Wellen und siehe da es funktionierte recht gut.

Die letzten Züge der Abenddämmerung brachten ihm noch eine nette Session auf dem Wasser...gracias senor cubano...
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