Um 20:00 Uhr wurden wir von unserem Reiseführer Son am Hotel abgeholt, denn es stand uns eine Nachtfahrt mit dem Tulicotrain bevor.





Auf Hanois Hauptbahnhof im Zugabteil angekommen mussten wir ersteinmal schmunzeln. Alles war so, wie wir es erwartet hatten. Wir bezogen ein Viermann-Abteil mit Doppelstockbetten und hatten etwas Mühe, uns in der Enge des Abteils zu bewegen. Alles war sehr zweckmäßig und auf kleinstem Raum eingerichtet, wahrscheinlich auch eher für Vietnamesen gebaut. Unser Reiseleiter Son schlief im Abteil nebenan und wir verabschiedeten uns hoffentlich ausgeruht bis zum nächsten Morgen. Der Schaffner hatte alles im Griff und ich wurde gleich zur Ordnung gerufen, als ich versuchte, ein Fenster zum rauchen zu öffnen. Das war allerdings völlig unnötig, denn Vietnam ist noch eines der verbliebenen Raucherparadiese dieser Erde und man kann einfach überall qualmen. Der Zug fuhr ab und wir schaukelten und wackelten durch die Nacht. Das Gleisbett und der Schienenstrang könnten auch mal wieder eine Generalüberholung gebrauchen und der Waggon bewegte sich, außer natürlich nach vorne, in alle möglichen Richtungen. Eine Zugfahrt wie zu Ho Chi Minhs Zeiten und durch die nicht regulierbare Klimaanlage in der Decke pfiff uns die kalte Luft nur so um die Ohren. Steffi und ich teilten uns das obere Stockwerk und meine Mutter und Ecki das untere. Wir kamen uns vor wie im Ferienlager und standen vor der Wahl entweder ein wenig Schlaf zu finden oder ein Buch zu lesen. Allerdings sagte unser Reiseleiter Son vor der Abfahrt zu uns: „Heute Nacht wenig schlafen...“ und lachte danach herzlich. Trotz der Enge war es doch sehr gemütlich und die nächsten 9 Stunden gehörte das Zugabteil uns.
Leicht gerädert und noch mit dem Tuckern im Ohr stiegen wir am frühen Morgen gegen 06.00 Uhr in Lao Cai (Grenzübergang im Nordwesten zu China) aus. Im Regen zogen wir im Stechschritt zu unserem uns schon bekannten Minibus samt Fahrer ab, der uns direkt in den einstigen französischen Kurort Sapa brachte. Durch das schlechte Wetter konnten wir die Schönheit der Landschaft leider nur erahnen und unser Reiseleiter Son sagte nur „Schauen Sie da – wunderschöne Landschaft, wenn Sonne scheint“... Diesen Satz sollten wir in den nächsten drei Tagen leider noch öfter zu hören bekommen.
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