Nachdem wir Kuba am 28. März 2009 verlassen haben, führte uns unser Weg zunächst in einem achtstündigen Flug nach Santiago de Chile und gleich von dort aus weiter auf die entlegenste Insel der Welt – die Osterinsel / Isla de Pascua. Es ist seit Längerem ein Traum von uns, in die Kultur der Rapa Nui einzutauchen. Mein Klassenlehrer hatte damals viel über die Abenteuer und Expeditionen von Thor Heyerdal berichtet – das war viel spannender als Algebra. Hierfür nochmals ein Dankeschön an Herrn Rose, der somit auch Teil derer war, die meine Abenteuerlust geweckt haben. Heyerdal hatte seinerzeit viel über die Kultur der Rapa Nui in Erfahrung gebracht aber dennoch nicht alle Rätsel lösen können. Und das macht auch die Faszination und den Reiz dieses Ortes aus, dass ungeklärt bleibt, warum die Moais und Ahus aus dem Vulkangestein geschlagen wurden und wie sie von dort aus auf die gesamte Insel verteilt wurden.
Aber nun der Reihenfolge nach:
Auf dem kleinen Flughafen der Osterinsel nach 5 Stunden Flug angekommen, hatten wir immer noch keine Unterkunft und es wurde schon dunkel. Wir fragten eine Flughafenangestellte, ob sie vielleicht jemanden kenne, der Unterkünfte vermietet. Genauso erging es einem netten, älteren französischen Pärchen, das ebenfalls keine Bleibe hatte. So wurden wir alle an Teresa vermittelt und saßen kurze Zeit später samt unserem Gespäck zu sechst im Taxi und fuhren zum nahegelegenen Hostel. Der Kofferraum platzte fast aus allen Nähten und wurde einfach offen gelassen. Wir beide quetschten uns mit unseren kleinen Rucksäcken auf den Beifahrersitz und schaukelten so durch die Nacht. Nach einem mehr als 24 Stunden währenden Reisemarathon führten wir noch ein kurzes Pläuschchen mit Alain und Elisa und fielen dann nur noch in unser Bett, um den wohlverdienten Schlaf nachzuholen.
Der Garten des Hostels war wunderschön angelegt und das Frühstück ließen wir uns, umgeben von Hibiskusblüten, exotischen Pflanzen und jeder Menge Grün, auf der Veranda schmecken.


Nach einem ersten kurzen Stadtrundgang durch Hanga Roa am folgenden Tag beschlossen wir, die kurze uns verbleibende Zeit so intensiv wie möglich zu nutzen. Eigentlich wollten wir den Flug um vier Tage verschieben, doch leider waren alle Flüge bis Ende März ausgebucht. Wir mieteten spontan einen Scooter (damit kannten wir uns ja mittlerweile aus und er hatte wieder die Farbe Rot) für zwei Tage und machten uns auf zur Entdeckungstour. Schon beim ersten Spaziergang, nein bereits im Flugzeug machte ich Nico darauf aufmerksam, dass überall Moais stehen. Nico, mit dem besseren Blick von uns, gab mir zu verstehen, dass es sich lediglich um Büsche handelt. Ich war so aufgeregt und sah die steinernen Kolosse quasi überall. Dann aber näherten wir uns dem Vulkan und Nationalpark “Rano Raraku” und dort standen sie wirklich, einer nach dem anderen und wir beide waren völlig von den Socken. Ein unglaublicher Anblick, es verschlug uns die Sprache und wir fühlten uns wie Entdecker eines unbekannten Landes.


Schon von Weitem erkannten wir die Moais, die wie Pilze aus dem Boden ragten. Hier wurden seinerzeit sämtliche Moais der Insel aus dem Vulkangestein geschlagen und auf die gesamte Insel verteilt. Es war eine unglaublich mystische Atmosphäre, die durch den Vulkan, die verstreut stehenden Moais, der grünen Landschaft und dem nahen Meer an Intensität immer mehr zunahm.



In der Ferne erkannten wir 15 riesige Moais die aufgereiht wie auf einer Perlenkette mit dem Rücken zum Meer standen.

So wandelten wir stundenlang durch diese einmalige, sehr surreal wirkende Landschaft und entdeckten durch Zufall eine kleine Schlucht und fanden so den einzigen Zugang zum Inneren des Vulkans. Plötzlich umgab uns absolute Stille und sie wurde nur durch das permanente Zirpen der Zirkaden und dem gelegentlichen Wiehern der Wildpferde unterbrochen. welche aus dem Kratersee tranken. Alle anderen Geräusche waren mit einem Mal wie abgeschaltet und nur unser eigenes Rascheln war zu hören.


An der inneren Flanke des Vulkans standen jede Menge fertige und unfertige Moais rum, welche uns ein Rätsel waren. Warum betrieben die Rapa Nui solch einen Aufwand? Sie hätten die tonnenschweren Kolosse über den Kraterrand und dann auf der anderen Seite wieder runter wuchten müssen. Meine Theorie dazu lautet: Hier mussten die Lehrlinge ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen und wenn sie gut genug waren, dann durften sie auf der Schokoladenseite des Vulkans weiterhämmern. Es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.



Ein kleiner Trampelpfad führte uns zum felsigen Kraterrand, von wo aus wir eine fantastische Aussicht auf Ahu Tongariki hatten. Zurück ging es auf dem Sims des Vulkankegels und wir fühlten uns trotz des stundenlangen Wanderns seltsam erholt und ausgefüllt.


Ahu Tongariki war gigantisch und die 15 Moais stille Zeugen einer versunkenen Kultur. Sie wirkten auf uns eigenartig lebendig und wir standen sprachlos mit offenen Mund davor. Durch ein Erdbeben in den 60er Jahren und dem darauf folgenden Tsunamie wurden sämtliche Skulpturen von ihrem Plateau gestoßen und erst 1992 in Zusammenarbeit mit Japan und schwerem Gerät wieder aufgerichtet. Wie zum Teufel haben die Rapa Nui mit ihren einfachen zur Verfügung stehenden Mittteln diese tonnenschweren Kolosse über die ganze Insel bewegt und aufgestellt? Der schwerste jemals aufgestellte Moai in Ahu Tongariki wog 88 Tonnen ??? Es wurden einige Vermutungen dazu angestellt, aber da es keinerlei Überlieferungen gibt bleibt es wohl ein Geheimnis.


Die Umrundung der Insel gestaltete sich sehr entspannt und wir fühlten uns auf unserem Scooter frei und unabhängig. Am Abend genossen wir das Südseefeeling im Restaurant Kanahau, d.h. das wirklich leckere Essen, die zurückhaltende Mentalität und Freundlichkeit der Menschen und die exotischen Südseeklänge. Zudem sind wir auch im Paradies der Kommunikationsmöglichkeiten angelangt. Überall auf der Insel gibt es kostenlosen Wi-Fi Internetzugang und das ist wirklich ein Traum nach der “kubanischen Misere”.


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