Weiter entlang der Hawkes Bay hielten wir in Gisborne, in der Hoffnung, hier mal wieder Internet zu finden, um zu telefonieren. Nachdem wir die Hauptstraße mehrere Male rauf und runter fuhren und nichts darauf hinwies, befragten wir einen Taxifahrer nach einem Internetcafé. Er starrte uns entgeistert an und wiederholte nur: „Internet, what's that?“ Hhhm, wir waren etwas schockiert, dass ein Taxifahrer kein Internet kennt und unsere Hoffnung wich. Aber nach einigem Vorpreschen und Nerven bei einer Aushilfskraft in einem Motor Camp, verkaufte uns die Dame endlich nur eine Prepaid Karte und die Lieben daheim konnten ihren angekündigten Anruf erhalten. Im Lonely Planet lasen wir noch ganz entzückt, dass im Gisborne District das sog. freedom camping erlaubt wäre. So fuhren wir an die Wasserseite und parkten schließlich, da wir keine Verbotsschilder sahen und wie gesagt, freedom camping sehr populär schien.

Am nächsten Morgen bekamen wir gleich die Quittung. Schon um 05.30 dieses Samstagmorgens machte sich die eine Politesse auf den Weg und heftete uns eine Warnung an die Frontscheibe. Da wir erst 10:00 Uhr aufgewacht sind, hieß es nun sich zu beeilen um aus der Verwarnung keine Strafe werden zu lassen. Wir haben schon kapiert, dass wir Gisborne schnellst möglich und mit knurrenden Mägen verlassen sollten. Ein suspekter Ort, mit dem wir nicht grün wurden. Eine Bucht weiter am Wainui Beach holten wir dann das Frühstück nach und Nico kam auf seine Kosten, da gerade ein Surf Contest stattfand. Die Wellenreiter sollten im k.o. Verfahren ihr Können binnen 15 Minuten zur Schau stellen. Es war wirklich beeindruckend, wie die Jungs die Welllen abritten und welche Moves sie hier und da einbrachten. So macht frühstücken noch mehr Spaß!


Unsere Reise sollte uns eigentlich weiter nach Whangara führen, einem beschaulichen Maori-Dorf, in dem der erfolgreiche und absolut sehenswerte Film „Whale Rider“ gedreht wurde. Leider gab es wegen des Massentourismus in den Jahren nach der Veröffentlichung keinerlei Hinweisschilder mehr, wo sich das Dorf genau befindet. Denn respektlose Touris sind in die Hallen und in die Häuser der Bewohner einspaziert als seien es Filmkulissen. Um dem einen Riegel vorzuschieben, wurden die Ortsschilder entfernt und es gibt nur Touren, die gebucht werden können. Wir fuhren schließlich vorbei. Es sollte wohl so sein und wir zollten den Maoris und dem mystischen Ort den nötigen Respekt.
Daher landeten wir in der unweit entfernten Waipiro Bay, die einfach genial war. Freedom camping war explizit erlaubt und wir hatten den gesamten Strand für uns allein. Das Meeresrauschen wirkte fast hypnotisierend auf uns und wir konnten uns mit den Wellen in den Schlaf wiegen. Dank der körperlichen Bedürfnisse wurde ich pünktlich zum Sonnenaufgang wach und erlebte ein unglaubliches Farben- und Stimmungsspiel und musste es sogleich wenigstens in Bildern festhalten. Dieser Ort war besonders, das spürte ich in dem Moment.


Nach dem Aufstehen setzte Nico seinen Kreativkurs mit dem Dremel und den Pauas fort, während ich am Strand spazierte und die Stimmung in mich aufsog. Es fing an zu regnen und im nächsten Augenblick sah ich einen Regenbogen und war schon dort fasziniert. Als ich dann ein Mittagsschläfchen einlegte, hat Nico den zweiten Regenbogen entdeckt, der diesmal fast über dem Meer erschien. Nach dem Ausschlafen und während des gemütlichen Beisammenseins im Bus, denn es schauerte mal wieder, sahen wir beide zeitgleich einen unglaublich schönen Doppelregenbogen direkt über dem Meer und frontal auf uns gerichtet, wie ein Tor.



Es war unbeschreiblich für uns. So eine Farbintensität und die Kulisse. Das war atemberaubend und einzigartig und scheinbar nur für uns. So fühlte es sich jedenfalls an, wie ein Geschenk. Es sind eben auch diese Momente, die unsere Reise zu etwas ganz Besonderem machen.
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