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„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“
Lucius Annaeus Seneca

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Sozialismus oder versteckter Kapitalismus?

Datum: 
6. Oktober 2009

Sozialistische Republik Vietnam – der Name lässt darauf schließen, dass es sich um einen sozialistischen Staat handelt. Beim bloßen betrachten, beobachten und erzählen gewinnen wir jedoch gar nicht den Eindruck, dass wir uns im Sozialismus bewegen. Fast aus jeder Ecke glitzert uns die westliche Welt entgegen. KFC-Ketten, Coca Cola, Toshiba, Nikon und viele andere Marken und Produkte kann man kaufen, wenn man tiefer in die Tasche greift. Luxus-Einkaufstempel mit westlichen Designerlabeln und Schlitten wie Porsche Cayenne, BMW und Mercedes stechen uns sofort ins Auge. Welcher Durchschnitts-Vietnamese kann sich das leisten, wenn man bedenkt, dass ein Fabrikarbeiter durchschnittlich 120 € im Monat verdient und einen 14-Stunden-Tag hat oder eine 76 qm Neubauwohnung in Hanoi 15 € kostet?

 

 

In den Gesprächen mit unserem Reiseleiter Son erfahren wir u.a., dass 80 % der Häuser in Hanoi Wohneigentum sind – auch ungewöhnlich für den Sozialismus. Verblüfft waren wir jedoch, dass Bildung nicht kostenlos ist und daher auch keine Schulpflicht besteht. Insbesondere im ländlichen Raum können sich Eltern das Schulgeld für ihre Kinder nicht leisten, sodass etwa 6 % der über 15-jährigen Analphabeten sind und nur 10-15 % der Kinder dort länger als drei jahre zur Schule gehen können. Das setzt sich auch im Gesundheitswesen fort, denn 80 % der Aufwendungen für medizinische Behandlungen stammen von den Patienten selbst. Auch ist Vietnam von Arbeitslosigkeit betroffen, wobei die offizielle Rate von 5,5 % nur die aus dem staatlichen Sektor ausgeschiedenen Beschäftigten bemisst. Es ist also davon auszugehen, dass eine weitaus höhere Zahl von 10-15 % realistischer ist. Kostenlose medizinische Versorgung und Bildung – zwei wichtige Eckpfeiler im Sozialismus wie wir sie aus unser eigenen Vergangenheit und auch aus Kuba kennen, sind hier jedenfalls nicht vorhanden.

 

Ein weiteres Problem stellt die Korruption in vielen Bereichen des Lebens in Vietnam dar. Es gilt der Spruch: „Jeder Vietnamese bezieht ein Gehalt, doch keiner lebt davon“. So lassen sich insbesondere Polizisten, aber auch Ärzte „schmieren“ und den Vietnamesen bleibt oft nichts anderes übrig, als diesem System Folge zu leisten.

 

 

Am sozialistischsten ist und bleibt für uns das Ein-Parteien-System mit der Kommunistischen Partei sowie die Flagge, wobei das Rot für den Kommunismus steht und die fünf Zacken für Arbeiter, Bauern, Jugend, Militär und Intellektuelle. Typisch für den Sozialismus ist auch die Heldenverehrung, wobei „Onkel Ho“ fast überall, auch auf den vielen verschiedenen Geldscheinen, präsent ist. Gegen seinen Willen wurde sein Leichnam von den Russen einbalsamiert, die seinerzeit schon Lenin und andere sozialistische Staatsoberhäupter konserviert haben. Ho Chi Minhs letzter Wille war es eigentlich, dass seine Asche ganz symbolträchtig in Nord- und Südvietnam verstreut wird. Stattdessen wurde ihm zu Ehren ein Mausoleum nach russischem Vorbild errichtet, wo man ihn noch heute aufgebahrt besichtigen kann.

 

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