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unsere Route ...

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“
Lucius Annaeus Seneca

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Steffis Gedanken zum Ende der Weltreise

Datum: 
28. Januar 2010

„Like all great travellers, I have seen more than I remember and I remember more than I have seen.”
                                                                                                                (Benjamin Disraeli)

Ich wähle dieses Zitat als Einleitung, weil wir zu Beginn unserer Reise in Christchurch (Neuseeland) an einem goldenen Herbsttag durch die Disraeli Street spazierten und unseren geliebten Paikea gekauft haben. Schon damals fragte ich mich, was oder wer Disraeli ist, verwarf den Gedanken aber genauso schnell wie er aufkam. Ziemlich zum Ende der Reise habe ich in Bangkok in einer Backpackerzeitschrift Benjamin Disraelis Zitat gelesen, wurde neugierig auf ihn und begann zu recherchieren. Seine weisen Worte treffen für mich den Nagel auf den Kopf: Ein Jahr lang zu reisen, all die fremden Kulturen kennenzulernen, ihren Menschen zu begegnen, ihre Sprachen zu hören und teilweise auch selbst zu sprechen, ihr Essen zu probieren, ihr Lächeln zu erwidern, von ihnen zu lernen und vieles mehr sind momentan noch tausende von Puzzleteilchen in meinem Kopf, die ich Schritt für Schritt zusammensetze. Von diesem Bild werde ich bestimmt ein Leben lang zehren und später Kindern und Enkelkindern erzählen können.

 


Ich bin froh, diesen einschneidenden aber wichtigen Schritt in meinem Leben gegangen zu sein, trotz einiger Tiefen, die ich neben ganz vielen Höhen zu durchlaufen hatte. Ich habe das Pech auf dieser Reise ein wenig angezogen: Fußverstauchung in Kuba, Kreditkartenmissbrauch, Schnorchelverletzung mit anschließender Infektion, Laptop ins Jenseits befördert und zu guter Letzt die Kreislaufprobleme. Dennoch bereue ich keinen der 349 Tage, denn ich habe: 

- so viel über mich, Nico und überhaupt gelernt

- tolle Menschen getroffen

- über den Tellerrand hinausblicken können

- so viel Herzlichkeit und Wärme gespürt

- so viel Schönes gesehen

- die Lust am Lesen wiederentdeckt

- es oft geliebt, in den Tag hinein zu leben und spontan Entscheidungen zu treffen

- in und mit der Natur gelebt

- das für mich wahre Gefühl von Freiheit mit unserem „Paiki“ in Neuseeland            erlebt

- ein Erdbeben, eine halbe Flugzeugkatastrophe und so vieles andere                   durchstanden,

- gelernt, was wirklich wichtig ist, um zumindest auf Reisen glücklich und              zufrieden zu sein

- mir meinen großen Traum erfüllt!!! 

Dieses Jahr hat mir einerseits vor Augen geführt, wie privilegiert es uns in Deutschland gehen kann, andererseits aber auch gezeigt, wie bescheiden und dennoch glücklich woanders gelebt wird. Denn trotz Armut haben wir überall die Kinder lachen gehört und scheinbar zufriedene Menschen gesehen. Oft wurde aus der Not heraus eine Tugend, sodass ich beispielsweise in Vietnam begeistert davon war, dass Kleinkinder viel schneller laufen lernen, weil es kaum Kinderwagen oder Karren gab oder die Sprachgewandtheit der kambodschanischen Kinder, die mit ein paar Vokabeln und Sätzen eher Souvenirs an Touristen aller Herren Länder verkaufen konnten. Am beeindruckendsten war jedoch die Tatsache, dass v. a. im südostasiatischen Raum mehrere Generationen unter einem Dach leben, sich gegenseitig helfen und v. a. die Jungen von den Alten lernen. Das Mehrgenerationenprinzip wird dort selbstverständlich gelebt, weil es anders kaum möglich ist.

 


Ein Jahr aus dem Rucksack zu leben und mit wenigen Dingen zurechtzukommen war für mich eine unglaubliche Bereicherung. Ich bin fest davon überzeugt, etwas davon in meinen neuen Alltag übernehmen zu können. Weniger ist mehr und wozu benötige ich dreißig Pullis und zwanzig Hosen? Schon vor der Reise habe ich kräftig ausgemistet und nach der Reise ebenso. Ein wirklich befreiendes Gefühl, sich ein wenig vom Konsumwahn zu lösen. Wieviel Geld man sparen und dafür sinnvoll ausgeben kann, z. B. für das Kinderkrankenhaus in Siem Reap/Kambodscha. Dieses Projekt möchte ich unbedingt weiter unterstützen, denn Kambodscha ist tatsächlich ein vergessenes Land!

 


Reisen hat vergleichsweise wenig mit Urlaub gemein, sondern ist teils auch harte Arbeit.  An psychische und physische Grenzen zu stoßen, organisieren, sich stets neu zurechtfinden zu müssen, in mehr als 60 Betten zu schlafen, quasi immer wieder ein neues „zu Hause auf Zeit“ zu finden – all das ist mir zuletzt nicht immer leicht gefallen und so freue ich mich mehr denn je auf mein eigenes Zuhause,Familie und Freunde!

 


In all der Zeit wurde mir bewusst, dass Individual- und Pauschaltourismus gleichermaßen ursprüngliche Strukturen massiv und schnell verändern können. Der aufkeimende Tourismus hat oftmals keine Chance, in Ruhe zu gedeihen, wodurch viel Zauber verloren geht. Ohne Zweifel bringen Touristen Geld in diese Regionen. Tourismus sollte jedoch zum Schutz der Einheimischen und ihrer Traditionen immer langsam und mit Bedacht wachsen können. Am Beispiel der bettelnden Mönche in Laos und der daraus mutiertenTouristenattraktion „feed the monks/„ monks alming“ wurde uns spätestens klar, dass manche Aktionen respektlos ist.

 


Um einer mir schon häufig gestellten Frage mal vorwegzugreifen, nämlich darauf zu antworten, wo es für mich am schönsten war, kann ich „nur“ Folgendes sagen: Die Welt ist zu bunt und vielseitig, als dass ich ausgerechnet einen Ort am schönsten finden könnte. Sicherlich gibt es so einige persönliche Highlights für mich, wie die absolute Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Kubaner, die mystische Osterinsel, die atemberaubende Landschaft Neuseelands, die Tierwelt und Strände Westaustraliens, Ästhetik und Anmut in Indonesien  und, und, und. Doch es sind auch immer wieder die Menschen, die Stimmungen und auch der Zufall, die in ihrer Einheit viele Flecken der Erde zu etwas ganz Besonderem machen!


Der herausforderndste Part unserer Reise ist ganz klar unsere Rückkehr:  All das Erlebte zu verarbeiten, ohne zu viele VergIeiche zu ziehen, damit klarzukommen, wieder erreichbar zu sein, von der Konsumflut nicht mitgerissen zu werden und schließlich von vorne zu beginnen. Ein neues Heim einzurichten, wieder zu arbeiten und auch gewissen gesellschaftlichen Zwängen unterlegen zu sein. All das und vieles mehr gilt es nun zu bewältigen. Viel schneller als erwartet hat sich gezeigt, wie hektisch, konsumorientiert und zukunftsbezogen in Deutschland gelebt wird. Das Hier und Jetzt verliert oft an Bedeutung, weil schon an morgen und übermorgen gedacht wird. Das Leben wird verplant. Warum? Wir durften erfahren, dass es auch anders geht! Dafür bin ich dankbar. Die Reise ist auch nach der Rückkehr mehr als präsent, denn bestimmte Situationen, Lieder, Reportagen, Gespräche, Filme oder andere Dinge erinnern mich oft an unser großes Abenteuer.


Was bleibt übrig als Dankeschön zu sagen? Mein Dank gilt daher all jenen, die mich auf ihre Art und Weise die Reise über unterstützt haben, was mir eine große Hilfe war.


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