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„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“
Lucius Annaeus Seneca

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Telespiel

Datum: 
28. August 2009

Den frühen Morgen verbrachten wir auf den Dünen am Meer. Der indische Ozean lag spiegelblank vor uns und es kündigte sich ein ruhiger und entspannter Tag an. Da heute kein Wind zu erwarten war, fuhren wir nach dem Frühstück die 80km bis nach Exmouth. Eine Dusche war längst überfällig und um Geld zu sparen, schlichen wir uns auf den Zeltplatz und spazierten, als wenn wir dazu gehörten, mit erhobenen Hauptes Richtung Duschen. Aber bei der Größe und der Masse an Gästen fiel es überhaupt nicht auf und so zelebrierten wir ausdauernd unsere Körperpflege. Duftend und wie neugeboren fühlend ging es nun an die noch anstehenden Erledigungen. Wir benutzten frecherweise auch noch die Waschmaschinen des Campingplatzes und nachdem an der naheliegenden Tanke der Wasser- und Benzinvorrat wieder aufgefüllt war, befragten wir unser großes Orakel „Google“. Einerseits mussten wir Bank und E-Mails checken aber hauptsächlcih ging es um eine Unterkunft in Hong Kong. So ganz planlos wollten wir nicht in dieser Megametropole aufschlagen und suchten uns zumindest ein paar Unterkunftsadressen raus. Die Tips dazu bekamen wir per E-Mail von einem Hong Kong Chinesen, den wir in Auckland (Neuseeland) im Hostel kennengelernt hatten. Wie immer frisst solch eine Recherche mehr Zeit als gedacht und gegen 19:00 Uhr machten wir uns endlich auf den Rückweg zum Kurrajong Campground im Nationalpark. Es war mittlerweile stockfinster und das mulmige Gefühl einer unerwarteten Tierbegegnung fuhr mit. Vor allen Dingen in der Morgen- und Abenddämmerung hoppeln die Kängurus wie verrückt durch die Gegend und man weiß nie, in welche Richtung sie springen werden.

 

 

Am Anfang sah alles recht entspannt aus aber dann wuchs sich das Ganze als wahrer Hindernisparkour zwischen den Beutlern aus. Sie saßen einfach überall und streckten neugierig ihre Köpfe aus den Büschen. Das erste hüpfte auch gleich in die falsche Richtung los und mit einem dumpfen „Rums“ touchierte es „Mister Xings“ linke Seite. Hoffentlich ist ihm und dem dünnen, japanischen Blech nichts passiert, ansonsten hieße es nämlich „...Tschüß Kaution“. Nach dieser ersten Schrecksekunde drosselten wir unsere Geschwindigkeit drastisch und tuckerten mit 45km/h voll konzentriert und immer den Blick abwechselnd auf beide Straßenseiten gerichtet durch die Nacht. Mit angespannten Füßen schien es mir, als wenn sie sich an der Straße verabredeten hätten und nur auf ein Auto warten würden, um dann wie wild in alle Himmelsrichtungen davon zu springen. Wir kamen uns vor, wie in einem dieser kleinen Telespiele Anfang der 90er Jahre, nur das „Mister Xing“ und wir die Hauptrolle spielten.

 

 

Nach 1½ Stunden Slalomfahrt kamen wir endlich in Kurrajong an. Ich war total fix und alle von der Dauerkonzentration und nach unserem Abendbrot erschien uns auch noch ein Regenbogen bei Nacht. Keine Angst, wir haben weder getrunken noch sonst irgendwas genommen, es war wirklich ein Regenbogen bei Nacht. Ein durchziehender, kurzer Schauer wurde vom Mond so angestrahlt, dass sich die weiße Silhouette gegen den schwarzen Nachthimmel abzeichnete. Wahnsinn, so was haben wir noch nie gesehen aber für heute reichte es uns...müde und erschöpft fielen wir nur noch ins Bett.

 

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