Die unbeschwerte Fahrt nach Havanna mit dem Mietwagen war nach unseren 400-er Erfahrungen purer Luxus. Oskar hat uns gleich mit offenen Armen empfangen und Rum, Kaffee und Zigarren gereicht. Oskar testet die Qualität des Rums, indem er einen Schluck in beide Handflächen kippt und anschließend sein Gesicht damit einreibt. Wenn es ihm dann gut geht dabei, trinkt er ihn anschließend. Sehr amüsant. Mal sehen, ob wir die Probe demnächst auch so machen... :)
Nun sollten wir also einen Einblick in einen ganz normalen kubanischen Alltag erhalten. Auf relativ engem Raum wohnen auf 2 Ebenen, in abgetrennten Bereichen 3 Generationen unter einem Dach. Oskars kleinen Töchter Brenda und Betty haben es uns sofort angetan.


Dass die temperamentvolle Brenda, die unentwegt plappert und alle unterhält erst 4 Jahre alt ist, konnten wir kaum glauben. Die süße Betty von 1 ½ Jahren scheint ganz nebenbei groß zu werden, ist aber jedermanns kleiner Engel. Oskar jr., Tochter Julie, Ehefrau Maelin, 1 behinderter Bruder, seine Schwester und zuletzt der Vater (Großvater) machen die Familie komplett. Gespannt folgten wir Oskars Gesprächen, in denen wir erfuhren, dass er als Reiseleiter zu den besser Verdienenden gehört, dass Kuba ein großes „Gefängnis“ ist, die Kubaner ihre eigenen Archipele im Norden nicht besuchen dürfen, dass möglicherweise das Reisen für Kubaner bald einfacher wird, dass in Kuba alles alt ist – auch der Präsident :), dass es jetzt sehr wichtig sei, englisch zu lernen, dass er nur alle 2 Jahre Urlaub machen kann und dann gerne angelt, dass er viele deutsche Freunde hat u.s.w. Diesen hilfsbereiten und humorvollen Kubaner, der in der Wendezeit 2 Jahre in Berlin-Friedrichsfelde Ost lebte und eigentlich Maschinenbau studiert hat, werden wir beide so schnell nicht vergessen.


An seinem Geburtstag am Montag hat er uns zu einem kleinen Essen eingeladen und schließlich angeboten, bei ihm zu schlafen. Eigentlich wollte er uns eine Casa in seiner Nähe besorgen, doch er verstand, dass wir eine weitere Nacht in Guanabo verbringen wollten. Aber alles kein Problem, so nahmen wir die Gastfreundschaft gerne an. Wir checkten aus unserer Casa aus und fuhren mit den anderen beiden nach Havanna. Neben der typisch kubanischen Küche, bestehend aus gebratenen Hühnchen, Reis mit schwarzen Bohnen, geschnittenen Tomaten und Zwiebeln, zauberte Oskar noch einen Nudelsalat mit Würstchen. So saßen wir bis spät abends satt und zufrieden, Zigarren schmökend, Rum trinkend in der Küche beisammen und erfuhren so einiges, was in keinem Reiseführer zu finden ist. Erstaunt waren wir, dass die Kinder alle erst gegen 0.30 Uhr nachts schlafen gehen und dass alle getrennt und sehr viel später als wir aßen. Dennoch war es ein sehr interessanter Reiseabschnitt für uns... Muchas Gracias !
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